Limbic Success - Erfolg aus der Steinzeit: Erfolgreiche Marken (Teil 6, Schluss)
Erfolgreiche Marken weisen eine limbische Sinnstruktur auf, d.h. dass alle Sinnbausteine aufeinander abgestimmt sind: Brand-Vision (Hoffnungen und Sehnsüchte), Brand-Aura (Unterschied zu andern Menschen), Brand-Mission (Nutzen der Marke), Brand-Mythos (positiv besetzte Bilder und Geschichten aus der Vergangenheit).
Bei der Positionierung einer Marke ist einerseits das Festlegen von Werten, Wünschen und Motiven, mit denen die Marke verbunden werden soll, von entscheidender Bedeutung. Andererseits muss man sich mit diesen Gefühls- und Assoziationswelten deutlich vom Wettbewerb unterscheiden. Drittens ist die Konstanz bzw. Selbstähnlichkeit einer Marke über die Zeit hinweg und die Konzentration auf den Markenkern (keine Verwässerung des Produktsortiments, das nicht die gleiche limbische Positionierung aufweist) ein weiterer wichtiger Faktor.
Bild: Der Marlboro-Cowboy. Die Positionierung um fasst "Abenteuer" (Dominanz und Stimulanz) und "Lagerfeuer-Romantik" (Balance). Die Werte, die dadurch vermittelt werden: Kampf, Männlichkeit, Entdeckung. Im Gegensatz zu Camel blieb Marlboro dieser Positionierung bzw. diesem Markenkern immer treu (Marken-Selbstähnlichkeit).
Consumermarken: Erfolg, Wachstum, Sieger
Warum sind Marken wie Porsche, BMW, Apple, Microsoft, Marlboro etc. Siegermarken und stehen auf der Liste der Spitzenreiter ganz oben? - Dafür gibt es drei libmische Gründe:
- Menschen fasziniert nichts so sehr wie Erfolg: Menschen hängen sich gerne an Menschen, die erfolgreich sind, "denn", sagt unser limbisches Orientierungssystem, "so wirst auch du überleben."
- Siegermarken sprechen die Wachstumskräfte an: Erfolgreiche Marken liegen auf der limbic Map immer auf der Stimulanz- und Dominanz-Seite, welche sich durch Wachstum auszeichnet.
- Sieger wählen Sieger: Die besten Manager haben starke Dominanz- und Stimulanz-Anteile, genau wie Siegermarken auch. Gleich und gleich gesellt sich gern.
Handelsmarken: Mitarbeiter und Markenphilosphie
Nicht nur bei Consumer- sondern auch bei Handelsmarken funktioniert das limbische System. Obwohl der Preiskampf bei den Handelsmarken stark im Mittelpunkt steht, so zeichnen sich wirklich erfolgreiche Handelsmarken dadurch aus, dass sie ihre Mitarbeiter konsequent auf die Markenphilosophie ausrichten.
- Aldi : Disziplin, Kontrolle, Sparsamkeit, Ehrlichkeit. Eng begrenztes Sortiment, einfache Ladenausstattung, gleichbleibende Produktqualität, enfache Abläufe. So werden die Dominanz- und Balance-Instruktionen und die dazu gehörigen Gefühle ausgelöst.
- IKEA: Entdeckung ("Entdecke die Möglichkeiten"). Laufend aktuelles Design zu günstigen Preisen. Man entdeckt nicht nur die Einrichtungsmöglichkeiten, sondern auch seine eigenen handwerklichen Fertigkeiten (Stimulanz-Instruktion, wikt v.a. bei jungen Frauen)
- MediaMarkt: Dominanz und Kampf ("Ich bin doch nicht blöd").
Bild: IKEA entführt die Menschen auf Entdeckungsreisen, sei es die Entdeckung nach Einrichtungsmöglichkeiten oder sich selbst bzw. auf die Entdeckung der eigenen Fähigkeiten (Stimulanz-Instruktion).
Kreativität ist dabei nur die "halbe Miete". Erst wenn es gelingt, die Marke entsprechend der Positionierung und des Brand-Spirits zu inszenieren, ist das Ziel erreicht. Ein kreatives Feuerwerk nützt nichts, wenn nichts auf das emotionale Konto der Marke einbezahlt wird. Es gilt also, zwischen Aufmerksamkeit und Inhalt zu unterscheiden (= Positionierung + Brand-Spirit)
B2B-Marketing: "Man ist die Unternehmensmarke"
Auch der B2B-Bereich funktioniert ähnlich wie jener der Handelsmarken: Es wird eine klare Markenphilosophie und eine klare limbische Markenpositionierung benötigt. Während die Consumermarken über die Massenmedien kommunizieren, tun dies B2B-Unternehmen über alle Kanäle: via Mitarbeiter, Gebäude, Produkte, Dienstleistungen etc. Der alles entscheidende Unterschied: Eine Consumermarke kann man haben, eine Unternehmenmarke ist man.
Die limbic Map muss für den B2B-Bereich etwas modifiziert werden:
- Balance drückt Tradition, Sicherheit, Verlässlichkeit, Qualität, Solidität und Konstanz aus => Tradition.
- Dominanz ist das Grundprinzip von Wachstum => Expansion.
- Stimulanz zeichnet sich aus durch Entdeckung, Kreativität und Innovation => Innovation.
- Zwischen diesen drei limbischen Instruktionen liegen die Zwischenpositionen Perfektion, Revolution und Modifikation.
Bilder: Das limbische System hat auch für den B2B-Bereich seine Gültigkeit. Ein wichtiges Ziel des B2B-Geschäfts ist der Aufbau von langfristigen Geschäftskontakten, daher kommt der Balancedimension bzw. Werten wie Vertrauen, Solidität und Qualität eine höhere Bedeutung zu.
Die vier prototypischen limbischen Positionierungen für die B2B-Unternehmen heissen:
- Kostenführer (Perfektion / Dominanz): Produktevielfalt eher schlank, aggressive Vermarktung, hoher Ausstoss an Stückzahlen, wenig bis keine Forschung und Entwicklung, kopieren geht über selber erfinden, Serviceleistungen für Kunden eher gering, Qualität relativ gut. Stärke: hohe Kostentransparenz (Preis!), Schwäche: mangelnde Flexibilität.
- Innovationsführer (Revolution): Die Fasziniation des Neuen und des sichtbaren Fortschritts stehen im Vordergrund. Lange Produktzyklen, Trendsetter, wesentlich teurer. Stärke: Kreativität, Schwäche: fehlendes Kostenbewusstsein, zu grosse Risikobereitschaft.
- Flexibilitätsführer (Innovation / Balance): Flexibel, schneidert Produkte und Dienstleistungen auf die Bedürfnisse des Kunden zu, Motto: "Nichts ist unmöglich", Kundenorientierung (Service und Beratung) sind hoch. Stärke: Gute und enge Kundenbeziehungen (Kundenorientierung), Schwäche: Controlling (Kosten, die durch die vielfältigen Kundenwünsche entstehen, werden nicht sauber erfasst und verrechnet)
- Qualitätsführer (Balance): Produkte mit Klassikerstatus, hohe Solidität und Standfestigkeit, Lebensdauer und Haltbarkeit. Stärke: hohe Rentabilität der Produkte, Schwäche: verpassen von Markttrends und Preishöhe.
In der Mitte befindet sich der
- Universalist (Mitte): spricht jede der vier Positionierungen an, ohne sich besonders zu profilieren: relativ günstige Preise, relativ hohe Innovativität, relativ gute Qualität und relativ hohe Flexibilität. Stärke: Spricht den Massenmarkt (die Mitte) an, Schwäche: Erreicht die geringste Wertschöpfung pro Verkaufseinheit, muss sich auf alles konzentrieren und wird dadurch auch langweilig (Verlust der Faszination) und austauschbar.
Kunden limbisch segmentieren und bearbeiten
Für die Ansprache und Entwicklung von zielgruppenorientierten Serviceleistungen ist der Einfluss unserer limbischen Steuerung ebenfalls entscheidend. Unterschiedliche Kundenpersönlichkeiten haben unterschiedliche Betreuungserwartungen. Drei Typen:
- Bewahrer-Kunden: Haben wenig Wachstumspotenzial, stellen aber auch wenig Anforderungen an das Unternehmen, sind treu und keine aggressiven Preisverhandler
- Performer-Kunden: Hohes Wachstumspotenzial, hohe Betreuungs- und Serviceerwartungen, erwarten laufend Verbesserungsvorschläge und Ansätze zur Leistungssteigerung, Lernkurve des Unternehmens steigt dadurch. Dieser Kundentyp ist ein harter Verhandler und wechselt schneller, wenn die Leistungen nicht stimmen
- Controller-Kunden: mittleres Wachstumspotenzial, erwarten Verbesserungsvorschläge, v.a. aber auch günstigere Preise. Sind kritisch, rechnen alles nach und reklamieren bei kleinen Fehlern.
Aus: Georg Häusel: Limbic Success! So beherrschen Sie die unbewussten Regeln des Erfolgs - die besten Strategien für Sieger






